U-Bahn Mannheim/Ludwigshafen

 

Linie 12 in der unterirdischen Station Danziger Platz (Foto: Jörg Ohlhaver)

 

Das Ende der hochtrabenden U-Bahn-Pläne

Linie 12 in Ludwigshafen wird eingestellt – Hohe Folgekosten


Nach dem neuen ÖPNV-Konzept der Stadt Ludwigshafen wird die Straßenbahnlinie Linie 12 ab Fahrplanwechsel im Dezember 2008 ersatzlos gestrichen. Sie befährt als Einzige ein etwa 1,5 Kilometer langes Tunnelstück zwischen Ludwigshafen Rathaus und LU-Hauptbahnhof Ostausgang, derzeit allerdings nur noch in den Hauptverkehrszeiten morgens und am Nachmittag. Begründet wird der Schritt mit geringer Auslastung der Linie und hohen Betriebskosten. Auch nach der Einstellung der Linie 12 freilich wird für die Instandhaltung der Tunnelanlagen jährlich ein Betrag von knapp 200.000 Euro anfallen. Damit enden die hochtrabenden U-Bahn-Pläne im Rhein-Neckar-Delta nach 40 Jahren endgültig.

Das U-Bahn-Netz ist Folge des Generalverkehrsplanes für die Stadt Ludwigshafen, dass der berüchtigte Verkehrsplaner Karlheinz Schaechterle (seinerzeit im Ehrenamt Vorsitzender des ADAC-Gaues Süd-Württemberg!) erstellte. Sein Vorschlag damals: Den Hauptbahnhof aus der Innenstadt verbannen, Straßenbahnlinien in ein Ghetto unter die Erde stecken und den Autoverkehr über gigantische Straßenbrücken über die Häuser verlegen.

Insgesamt fünf unterirdische Linien sollten Ludwigshafen und die Schwesterstadt Mannheim durchziehen. Geplant war unter anderem ein Tunnel unter dem Rhein, der den Mannheimer Hauptbahnhof mit dem Berliner Platz in Ludwigshafen verbinden sollte. Ebenso sollte der Überlandverkehr nach Bad Dürkheim, Heidelberg und Weinheim in das Netz einbezogen werden, allerdings außerhalb der Innenstädte oberirdisch.

Für die Fertigstellung des gesamten U-Bahn-Projekts wurde das Jahr 2000 avisiert. Das Netz, das langfristig völlig unabhängig vom übrigen Verkehr laufen sollte, wollte man erst im Stadtbahnvorlaufbetrieb mit herkömmlichen Straßenbahnlinien eröffnen.

Im Endausbau sollten die Bahnsteige 80-90 cm hoch und 80 Meter lang sein und ausschließlich mit Stadtbahnfahrzeugen bedient werden. An die geplanten Hochbahnsteige erinnern heute noch in den Stationen Rathaus und Danziger Platz die Rolltreppen. Sie enden etwa ein Meter oberhalb der Schienenoberkante und es müssen noch drei Stufen bis zum Bahnsteig überwunden werden. Ein Graus für mobilitätseingeschränkte Menschen! 

 

Mehr Schein als Sein: Die Ludwigshafener "U-Bahn" (Foto: Jörg Ohlhaver)

Der Bau der ersten Abschnitte begann in den 70er Jahren in Ludwigshafen entlang der Nord-Süd-Strecke (Linie C) von Hemshofstraße bis Hauptbahnhof über Rathaus. Dies ist im Wesentlichen die Strecke, die jetzt stillgelegt wird. In der zweiten Phase (geplant für 1976 bis 1979) hätte in Ludwigshafen ein Nord-Süd-Tunnel vom Rathaus bis zum Berliner Platz gebaut werden sollen. Er wurde aber nie verwirklicht. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Stadt Ludwigshafen nicht mehr in dem Maße Bevöl­kerungszuwächse zu verzeichnen hatte, wie noch in der Wirtschaftswunderzeit, aus der die Pläne stammen. Auch der bereits gebaute Abschnitt stellte sich später als völlig nutzlos heraus, da er den Stadtkern praktisch umfährt; die Zwischenstation Danziger Platz liegt weitab vom Zentrum.

Die einzigen Relikte der hochtrabenden U-Bahn-Pläne, die auch weiterhin befahren werden, sind heute noch die unterirdischen Stationen Hemshof, Rathaus, Hauptbahnhof sowie in Mannheim Dalbergstraße. Sie bilden aber keine zusammenhängenden Tunnelstrecken. Die Bahnen fahren vor den Haltestellen in die Tiefe und direkt danach wieder an die Oberfläche.


Geplantes U-Bahn-Netz in Ludwigshafen und Mannheim

 

geplante U-Bahn-Strecken A, B, C, D und E  (schraffiert die tatsächlich gebauten Abschnitte)

 

 oberirdische Straßenstrecken              DB-Strecken

 

Linie A: (Bad Dürkheim) – LU-Oggersheim – LU-Hauptbahnhof – LU-Rathaus – Kurt-Schumacher-Brücke (Nordbrücke) – MA-Paradeplatz – MA-Neuostheim – MA-Seckenheim – (Heidelberg)

Linie B: MA-Schönau – MA-Kurpfalzkreisel – MA-Paradeplatz – MA-Hauptbahnhof – MA-Lindenhof – MA-Neckarau – MA-Rheinau

Linie C: (Neuhofen) – LU-Rheingönheim – LU-Hauptbahnhof – LU-Rathaus –LU-Oppau/Pfingstweide

Linie D (Heddesheim) – MA-Wallstadt – MA-Feudenheim – MA-Wasserturm – MA-Paradeplatz – Kurt-Schumacher-Brücke – LU-Rathaus – LU-Berliner Platz – LU-Mundenheim – LU-Maudach – (Mutterstadt)

Linie E: LU-Pfingstweide – LU-Oppau-West – LU-Rathaus – LU-Berliner Platz – Rheintunnel – MA-Hauptbahnhof – MA-Wasserturm – MA-Käfertal – (Weinheim)


Die Station Ludwigshafen-Hauptbahnhof (bei der Eröffnung 1969 als modernster Bahnhof Europas gefeiert) verlor bereits mit der Inbetriebnahme des S-Bahn-Haltepunktes LU-Mitte erheblich an Bedeutung. Hinzu kommt: Um von dort bis auf die Gleise zu gelangen, muss man zu­nächst einen mehrere hundert Meter langen Fußmarsch zurücklegen – also völlig an den verkehrlichen Realitäten vorbei geplant.

Im Zusammenhang mit der Ludwigshafener U-Bahn gab es auch immer wieder Gerüchte über nicht zugängliche unterirdische Anlagen. Angeblich soll es unter dem U-Bahnhof Danziger Platz noch einen Tunnelstumpf in Nord-Süd-Richtung geben, der für eine kreuzende Strecke gleich mit gebaut wurde. Ein Teil dieser Anlage soll mit Grundwasser voll gelaufen sein.

Mit dem Ende der Linie 12 wird dieses Kapitel verfehlter Ludwigshafener Verkehrspolitik im wahrsten Sinne des Wortes endgültig begraben. Das Siechtum dauerte lange. Schon seit fünf Jahren wird die Strecke nur noch in den Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags bedient, zusätzlich zur Linie 12 auch mit einzelnen Zügen der Rhein-Haard-Bahn. Als Fotograf Jörg Ohlhaver Ende April 2008 seine Bilder an einem Freitag-Nachmittag machte, bot sich ihm folgendes Bild: „Es herrscht in beiden Stationen eine ganz komische Atmosphäre, wie in einer Geisterstation. Ich war fast allein, obwohl es ja zur Berufsverkehrszeit war. Die Bahnen Richtung Oppau waren mit maximal zehn Fahrgästen besetzt, die aus Richtung Oppau (also von der BASF) allerdings sehr gut. Man kann den Stationen regelrecht ansehen, dass sie in einer Zeit gebaut wurden, als Ludwigshafen wohl noch im Geld geschwommen ist.“

Doch diese Zeiten sind lange vorbei: Die fatale Folge: Das Geld wurde damals in unsinnige, teure Tunnelprojekte gesteckt, anstatt den schienengebundenen ÖPNV in Ludwigshafen sinnvoll auszubauen. Heute dagegen fehlt das Geld für Neubauprojekte. Auch oberirdische Strec­ken werden stillgelegt. Nach dem neuen ÖPNV-Konzept der Stadt werden ab Dezember weniger Straßenbahnen, aber noch mehr Busse fahren. (wb)

Abgang zur B-Ebene im Ludwigshafener Rathaus (Foto: Jörg Ohlhaver)

 

Weitere Fotos von den Unterirdischen Stationen in Ludwigshafen