Neue Straßenbahnlinie zum Uni-Campus "Neuenheimer Feld" in Heidelberg
Gemeinderat Alles wieder auf Null
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Der Heidelberger Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 21. April mit breiter Mehrheit für eine Trasse der Straßenbahn ins Neuenheimer Feld gestimmt, die über die Straße „Ins Neuenheimer Feld“ führen soll. 30 Räte votierten für die von der Verwaltung vorgeschlagene Trasse, sieben stimmten dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner: „Ich freue mich, dass wir heute die Weichen für eine zukunftsorientierte Nahverkehrserschließung gestellt haben. Universität und Stadt haben sich in der Frage der Trassenführung stark aufeinander zu bewegt. Die Variante, die der Gemeinderat heute beschlossen hat, ist weitgehend mit der Universität entwickelt worden. Wir werden alles tun, um auch die verbleibenden Bedenken der Universität gegen eine ‚Zerschneidung‘ des Campus zu minimieren.“ |
Heidelbergs Oberbürgermeister Dr. Eckard Würzner |
Die Straßenbahntrasse soll künftig auf einer Länge von knapp über drei Kilometern von der Berliner Straße über Kirschnerstraße, Hofmeisterweg, Tiergartenstraße und Im Neuenheimer Feld verlaufen. Um den Bedürfnissen und Einwänden der Universität Rechnung zu tragen, hat der Gemeinderat die Nutzung von Supercap-Technologie sowie Schall- und Erschütterungsschutzmaßnahmen in den kritischen Bereichen beschlossen. Das Gesamtinvestitionsvolumen für das Projekt Straßenbahn Neuenheimer Feld beträgt etwa 35 Millionen Euro. Der Baubeginn ist bei gutem Verlauf des Planungsverfahrens aus heutiger Sicht 2010 zu erwarten.
Stadt gegen Uni
Noch im März, als die Vorentscheidung im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss der Stadt Heidelberg zum Trassenverlauf anstand, gab es einen Rückschlag. Nachdem Heidelbergs Oberbürgermeister Eckehard Würzner in den vergangenen Wochen mit allen Parteien und Interessensgruppen Gespräche geführt hatte und eine Einigung in der Trassen-Frage endlich ganz nahe schien, schossen in der letzten Ausschusssitzung am 3. März 2009 nun plötzlich die Fraktionen der CDU, der Freien Wähler (FWV), "Die Heidelberger" und der FDP quer. Sie forderten zunächst neue Unterlagen und Daten über die Wirtschaftlichkeit und die Kosten der neuen Strecke. Die Abstimmung wurde daraufhin auf die nächste Sitzung im April vertagt.
Der neue Universitätscampus "Im Neuenheimer Feld" im Westen der Stadt wurde seit den 60er Jahren systematisch auf- und ausgebaut. Nachdem zunächst vor allem die naturwissenschaftlichen Uni-Institute dorthin verlegt worden waren, wurden nach und nach auch die meisten Uni-Kliniken dorthin verlegt. Von Beginn an wurde durch das Gelände auch eine Trasse für die Straßenbahn freigehalten, bisher aber nicht bebaut. Zunächst war es das straßenbahnfeindliche Klima in Heidelberg, dem in den 60er und 70er Jahre zahlreiche bestehende Linien und Strecken zum Opfer fielen. In dieser Zeit wurde in Heidelberg nur an den Abbau, nicht aber an den Aufbau von Schienen gedacht. Erst als das Unigelände immer mehr wuchs und die Verkehrsprobleme immer größer wurden, besannen sich die Stadtplaner auf den längst überfälligen Schienenanschluss. Schließlich hat das Uni-Gelände im Westen der Stadt mit 3.000 Einwohnern, 20.000 Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie den Kliniken mit ihren Patienten und Besuchern die größten Pendlerströme der Stadt.
Noch
verstopfen Automassen die Straßen und Plätze rund um die Heidelberger Uni.
Abhilfe soll die geplante Parkraumbewirtschaftung sowie das Job-Ticket für
Uni-Bediensteten schaffen. Doch beides ist aufgeschoben, weil sich die
Uni-Spitze sperrt. Eine Untersuchung des UPI-Instituts ergab bereits 2001,
dass durch die Einführung eines Jobtickets, kombiniert mit einer
Parkraumbewirtschaftung, der Verkehr auf der B3, die mitten durch den
Heidelberger Stadtteil Handschuhsheim führt, um ca. 1.800 Pkw pro Tag
abnehmen würde. Das sind etwa elf Prozent des gesamten Verkehrs. Damit der
Auto-Verkehr abnimmt, wären bessere ÖPNV-Anbindungen des Uni-Campus durch
die Schiene nötig. (Foto
UPI-Institut)
Seit 18 Jahren konkrete Planungen
Seit 1991 existiert das Projekt der Straßenbahnplanung im Neuenheimer Feld. Nun aber schossen einige Forschungsinstitute quer, die entlang der geplanten Straßenbahnstrecke liegen. Sie fürchteten durch die vorbeifahrenden Bahnen Erschütterungen und durch die von der Fahrleitung und den Fahrzeugen erzeugten elektrischen Feldern Störungen bei ihren Experimenten - obwohl beim Bau der Institute die Straßebahnstrecke bereits vorgesehen war und entsprechende Abschirmungen hätten eingebaut werden können.
Seitens der Stadt Heidelberg wurde alles getan, um en bedenken der Universität entgegenzukommen. So wurde der Einsatz von Supercap-Straßenbahnen beschlossen,die auf den entsprechenden Streckenabschnitten ohne elektrische Fahrleitung verkehren, sondern in dieser Zeit ihre Antriebsenergie aus Bordbatterien beziehen. Die ersten Straßenbahnen dieses Typs sollen noch im Herbst 2009 ausgeliefert werden.
Im Bezug auf den Erschütterungs- und Schallschutz haben Gutachten belegt, das sich die aktuelle Situation durch den betrieb einer Straßenbahn für die Institute nicht verschlechtere. Dennoch könnten in kritischen Bereichen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, um den Erschütterungsschutz weiter zu optimieren.
Bus-Haltestelle Uni-Campus: Hier soll bald die neue Uni-Straßenbahn fahren (Foto: Wolfgang Brauer)
Erschütterungen und Störfelder
Nachdem die angeblichen Probleme durch Erschütterungen und elektrische Felder ausgeräumt waren, stellte sich die Uni-Leitung mit neuen, fadenscheinigen Argumenten erneut gegen den bau der Straßenbahnstrecke. Auf der favorisierten Strecke durch das Unigelände, nämlich dort, wo die potentiellen Fahrgäste der neuen Linie studieren, forschten und arbeiten, wollte der frühere Uni-Rektor Peter Hommelhoff nun plötzlich eine Streckenführung um das Uni-Gelände herum. Sein Argument: Die Trasse durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" würde den Uni-Campus "zerschneiden". Dieses Argument wurde auch vom neuen Uni-Rektor Bernhard Eitel übernommen.
Der Uni-Campus freilich ist an dieser Stelle heute schon durchschnitten. In den Hauptverkehrszeiten ist bereits jetzt ein Überqueren dieser Straße wegen des starken Autoverkehrs kaum möglich. Eine Straßenbahn, die entsprechend viele Autofahrer zum Umsteigen bewegt und die Kfz-Dichte auf dieser Straße reduziert, würde einer Zerschneidung des Uni-Campus eher entgegenwirken.
Die Stadt Heidelberg hat zusätzlich die Argumente der Universität aufgegriffen und ein Schweizer Büro beauftragt, sich Gedanken über die eine Zerschneidung des Campus zu machen und Lösungsvorschläge zu suchen (z.B. Fußgängerbrücken). Nach dem Vorliegen der ersten Ergebnisse gehen nun den Straßenbahngegnern in Heidelberg offenbar die Argumente aus, nachdem das Züricher Ingenieurbüro in dem Gutachten positive Beispiele aus Deutschland und Frankreich vorstellte, bei denen die Einbettung einer Straßenbahn in einen Uni-Campus hervorragend gelangt. In Augsburg beispielsweise durchquert die Tram das Uni-Gelände, eine Haltestelle bildet einen zentralen Platz. Die dortige Haltestelle bildet ein belebendes Element mit hoher Aufenthaltsqualität – so die Gutachter. In Bremen wurde die Straßenbahn auf dem Uni-Areal nachgerüstet und ersetzte eine Buslinie. Auch hier stellten die Züricher Verkehrsexperten keine Trennwirkung fest, wohl aber, dass die Herausnahme des Autoverkehrs aus dem Uni-Gelände zur Verbesserung der Nutzbarkeit und Aufenthaltsqualität geführt habe.Auch in Le Mans, Valenciennes, Lyon, Orleans und Grenoble in Frankreich fanden die Gutachter positive Beispiele für Tram-Linien in Uni-Geländen.

Trassenvarianten für die Straßenbahnstrecke durch den Uni-Campus im Neuenheimer Feld in Heidelberg. Die orangefarbene Strecke (1c) ist die von der Stadt Heidelberg favorisierte Variante, die rote (1a,b) zeigt den Trassenverlauf auf, den die Universitätsspitze wollte. Die Stichstreckenvarianten 2 (blau) und 4 (violett) sind Stichstrecken, die nicht weiter verfolgt wurden. (Karte: Stadtteilverein Handschuhsheim)
Zukünftiger Straßenbahnverkehr "Im Neuenheimer Feld"
Das künftige Liniennetz im Neuenheimer Feld sieht zwei Straßenbahnlinien und zwei Buslinien vor. Derzeit wird das Gebiet von vier Buslinien sowie zwei Straßenbahnlinien (allerdings nur tangential) erschlossen. Die Straßenbahnlinie 21 soll nach Fertigstellung der Strecke vom Bismarckplatz über den Hauptbahnhof, die Berliner Straße und Kirschnerstraße in das Neuenheimer Feld, anschließend über die Straße Im Neuenheimer Feld und Berliner Straße nach Handschuhsheim OEG-Bahnhof geführt werden. Die Straßenbahnlinie 24 von Rohrbach Süd über den Hauptbahnhof wird weiterhin über die Berliner Straße direkt nach Handschuhsheim Burgstraße geführt.
Die heutige Buslinie 32 verkehrt dann nur noch auf dem Ast Bismarckplatz -Universitätsplatz und ergänzt die Erschließung der Buslinie 31 im Bereich der Altstadt. Die Buslinie 31 hingegen verbindet nach wie vor den Universitätsplatz über Mönchhofstraße mit dem Technologiepark. Die heutige Buslinie 37 erschließt in einem gegenüber heute modifizierten Linienweg den Bereich Studentenwohnheim (voraussichtlich über die Haltestelle Kinderklinik) bis Sportzentrum Nord.
Uni-Campus im Neuenheimer Feld in Heidelberg (Foto: Wolfgang Brauer)
Kosten
Die von der Stadt Heidelberg favorisierte Variante im nördlichen Bereich des Uni-Campus über die Straße "Im Neuenheimer Feld" hat einen Kosten-Nutzen-Indikator von ca. 1,4. Die Rhein-Neckar Verkehrs GmbH, die später für die Betriebsführung zuständig sein wird, hat auf der Basis des aktuellen Betriebsprogramms ermittelt, dass sich das Ergebnis für den laufenden Betrieb durch die Einführung der Straßenbahn um 1,41 Millionen Euro pro Jahr verbessern würde, vor allem verursacht durch erhebliche Einsparungen im Busverkehr. Bei der Kalkulation sind die zusätzlichen Kosten für die Fahrwegerhaltung und die prognostizierten Fahrgaststeigerungen bereits berücksichtigt
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Die Automassen reduzieren soll die neue Tram-Linie 21
Noch fährt die Straßenbahn am Uni-Campus vorbei
Dort wo heute noch der Bus fährt, kann spätestens 2012 die Straßenbahn fahren. An dieser Stelle soll die neue Tram-Strecke vom bereits bestehenden Bahnkörper (nach rechts) abzweigen. (Fotos: Wolfgang Brauer